Begleitung bei körperlicher Erkrankung
Wenn Sie unter einer schweren körperlichen Erkrankung leiden, kann eine psychologische Beratung Sie z.B. darin unterstützen,
- Ihr Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen wieder zu verbessern,
- mit der Erkrankung leben zu lernen / mit sich selbst und der Erkrankung „ins Reine zu kommen“,
- für sich zu klären, wie es weitergehen soll und neue Lebensperspektiven zu entwickeln,
- Lösungen für familiäre oder berufliche Probleme im Zusammenhang mit der Erkrankung zu finden,
- körperliche Warnsignale, die auf eine chronische Überlastung hindeuten, rechtzeitig wahrnehmen und ernstnehmen zu lernen,
- Stressbelastungen, die körperliche Beschwerden auslösen oder verstärken, zu vermindern,
- die eigene Selbstfürsorge zu verbessern,
- hinderliche Einstellungsmuster zu verändern,
- wirksame Entspannungsmethoden zu erlernen, die sich im Alltag hilfreich einsetzen lassen,
- neue Strategien im Umgang mit Schmerzen zu erlernen.
Psychische Belastungen jeder Art können einen körperlichen Ausdruck finden, d.h. sie können körperliche Beschwerden hervorrufen, verstärken oder aufrechterhalten. Umgekehrt stellt jede schwerwiegende körperliche Erkrankung auch einen psychischen Belastungsfaktor dar. Daher ist es beim Vorliegen einer chronischen (d.h. lang andauernden) körperlichen Erkrankung meines Erachtens immer sinnvoll, beide Seiten anzuschauen: die körperliche und die psychische. Ausserdem sollte auch die Einbindung in das soziale Gefüge (d.h. in die Familie, den Freundeskreis, die Arbeitswelt etc.) berücksichtigt werden, um herauszufinden, welche Art von Hilfestellung für diesen speziellen Menschen in dieser speziellen Situation jetzt hilfreich wäre.
Bei manchen Menschen tragen zum Beispiel
- familiäre Probleme (z.B. mit einem alkoholabhängigen Partner, mit der Pflege von Angehörigen),
- berufliche Belastungen (z.B. starker Zeit- oder Leistungsdruck, schlechtes Betriebsklima, Konflikte mit Kollegen oder Mobbing am Arbeitsplatz),
- soziale und finanzielle Probleme (z.B. Schulden, Arbeitslosigkeit, dauerhafte Arbeitsunfähigkeit),
- in der Lebensgeschichte erlernte Einstellungsmuster (z.B. „ich muss alles immer perfekt machen“, „ich muss immer für die anderen da sein“, „ich muss immer funktionieren, auch wenn ich Schmerzen habe“) oder
- die Nachwirkungen traumatischer Erfahrungen (z.B. der gewaltsame Tod naher Angehöriger, eigene Gewalterfahrungen, Folter, Krieg, Unfälle)
dazu bei, dass sie ihr eigenes körperliches und psychisches Wohl vernachlässigen und sich dauerhaft überlasten. Gerade Menschen mit chronischen Schmerzen gehören meiner Erfahrung nach oft zu denen, die wunderbar „funktionieren“ im Beruf und sich sehr viel um das Wohl der anderen kümmern, die dann aber keine Zeit mehr finden, die eigentlich unbedingt notwendigen Schritte zu einer angemessenen Selbstfürsorge zu tun (Belastungen begrenzen, Zeit für Sport und Bewegung nehmen, Entspannungsverfahren praktizieren, regelmäßig essen und schlafen etc.).
Für Menschen mit lebensbedrohlichen Erkrankungen kann es auch sehr wichtig sein, einen Gesprächspartner zu finden, mit dem sie über „Tabuthemen“ sprechen können. So ist es z.B. für manche Betroffene sehr schwierig, mit ihren Angehörigen offen über ihre Zukunftssorgen oder über ihre Angst vor dem Sterben zu sprechen.
Dasselbe gilt für Menschen, die Beschwerden in sehr intimen Bereichen haben wie z.B. einen künstlichen Darmausgang oder sexuelle Schwierigkeiten. Eine Psychotherapeutin hat nicht nur eine Schweigepflicht, sie ist auch daran gewöhnt und dafür ausgebildet, über „heikle“ Themen zu sprechen.